Die Welt zu Gast bei Trump Der DFB und die FIFA – es gilt die Schweigepflicht

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragen – ein Ereignis, das sportlich wie politisch von großer Bedeutung ist. Besonders im Blickfeld steht dabei die Rolle des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der sich trotz zahlreicher kontroverser Begleitumstände auffallend zurückhaltend gibt. Während die politische Lage und Streitpunkte rund um die US-Regierung und deren Haltung in verschiedenen Bereichen hohe Wellen schlagen, vermeidet der DFB eine öffentliche Positionierung und hält sich strikt an die von FIFA-Präsident Gianni Infantino erzwungene Schweigepflicht.
Die WM 2022 in Katar war für den DFB bereits ein Fanal gescheiterter Wertepolitik. Versuche, auf die menschenrechtlichen Missstände und die toten Gastarbeiter durch das Tragen von Kapitänsbinden oder andere Zeichen aufmerksam zu machen, wurden von Infantino und der FIFA mit Macht unterbunden – eine Demütigung, die offenbar tief im Bewusstsein der Verbandsführung sitzt. Seitdem herrscht eine Atmosphäre der Zurückhaltung, die sich auch in der Vorbereitungsphase zur USA-WM fortsetzt.
Andreas Rettig, DFB-Geschäftsführer und einst ein lauter Kritiker der WM in Katar, hat sein kritisches Engagement weitgehend eingestellt. Rudi Völler, der Sportdirektor, beschränkt sich auf die Aussage, dass es „nur um Fußball“ gehen solle. Präsident Bernd Neuendorf, selbst einst Journalist mit SPD-Hintergrund, ist in Fragen der politischen Dimension des Turniers fast vollständig in der Deckung. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung stellte dazu bereits die provokante Frage: „Wo ist Bernd Neuendorf?“ Diese Zurückhaltung fällt umso mehr auf, als es gerade bei der WM in den USA zahlreiche politische Konfliktfelder gibt.
Einwanderungspolitik, rassistisch oder politisch motivierte Polizeirazzien gegen Fans, gravierende Einschränkungen der Einreise – all das sind Probleme, die bei einem suchenden Verband eigentlich nicht ignoriert werden könnten. Ebenso dramatisch ist die politische Lage der Gastgeber selbst: Die Trump-Regierung hat demokratische Grundsätze attackiert, beteiligt sich an internationalen Konflikten wie dem Krieg gegen Iran und hat zudem durch ihre Politik direkten Einfluss auf Fans und Spieler aus unterschiedlichen Ländern genommen.
Doch der DFB verweist stets auf die Bundesregierung, wenn es um politische Bewertungen geht. Nach eigenen Angaben stünden die notwendigen Informationen nicht zur Verfügung, um fundierte Stellungnahmen abzugeben. Das zeigt die defensive Linie der Verbandsführung: Offensichtlich wurde aus der Erfahrung des Machtspiels mit der FIFA gelernt und man möchte keinen neuen öffentlichen Konflikt riskieren.
Eine weitere Schlüsselfigur in den politischen Verstrickungen rund um die WM ist Gianni Infantino. Durch seine enge Verbindung zu Donald Trump, der bei der WM-Auslosung sogar einen eigens erfundenen FIFA-Friedenspreis erhielt – ein bizarrer Vorgang, der zeigt, wie politisch aufgeladen die FIFA unter Infantinos Führung agiert – ist klar, wer das Sagen hat. Infantino präsentiert sich als politisch neutral, doch seine engen Kontakte und Zugänge zum US-Präsidenten sprechen eine andere Sprache.
Die enge Allianz zwischen FIFA und Trump dient dem kommerziellen Erfolg der WM. Die amerikanischen Medienunternehmen zahlen hohe Summen für die Übertragungsrechte der UEFA Champions League, was sich in steigenden Einnahmen niederschlägt. Auch die Bundesliga hat ihre Bemühungen verstärkt, auf dem US-Markt zu expandieren, indem man spezialisierte Vermarkter engagierte. In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass die geschäftlichen Interessen von sportlichen oder politischen moralischen Einwänden überlagert werden.
Ein Dauerthema der WM ist zudem die massive Ausbeutung der Fans durch überhöhte Ticketpreise. DFB-Präsident Neuendorf äußerte sich zwar vorsichtig kritisch zum Preisniveau, verweigerte aber eine entschiedene Haltung. Gleichzeitig hatte sich der DFB bereits offiziell bei der FIFA darüber beschwert, dass der Verband nicht ausreichend Einnahmen erziele – ein scheinbarer Widerspruch, bedenkt man, dass ein erheblicher Teil der Ticketeinnahmen direkt an den DFB zurückfließt. Für 430 US-Dollar – so viel kostet etwa ein Spiel zwischen Deutschland und Curacao – ist klar, dass die finanziellen Interessen schwer wiegen.
Die WM 2026 wird somit zur Bühne für politische und gesellschaftliche Konflikte, die weit über den Fußballsport hinaus reichen. Dabei wird der Sport in den USA auch zum Spiegelbild eines tief gespaltenen Landes, in dem Immigration, Demokratieverständnis und außenpolitische Entscheidungen Brennpunkte sind. Das Feld ist komplex, die Konflikte sind vielschichtig, aber der DFB zeigt sich zurückhaltend – ganz anders als noch vor Jahren.
Für die FIFA selbst ist das Turnier unter Infantino mehr denn je eine Geldmaschine. Die Reformen von 2016 wurden zum Teil rückgängig gemacht, um Machtstrukturen zu festigen. Infantino verteilt milliardenschwere Entwicklungsgelder an die 211 Mitgliedsverbände, deren Stimmen er bei seiner Wiederwahl 2027 nahezu sicher hat. Kritische Stimmen verhallen weitgehend, Norwegens Verbandspräsidentin Lise Klaveness ist eine der wenigen Ausnahmen. Über die Verwendung der Gelder informiert die FIFA nicht transparent.
Seit nunmehr zehn Jahren steht Gianni Infantino an der Spitze der FIFA. Trotz der anfänglichen Ambitionen, Transparenz und Reformen einzuführen, hat sich die FIFA unter seiner Führung nicht nur in eine mächtige Organisation verwandelt, sondern ist auch finanziell enorm gewachsen – während wichtige politische und ethische Fragen ausgeklammert werden oder in den Hintergrund geraten.
Saudi-Arabien ist ein weiteres Beispiel für InfanTinos Strategie. Die WM 2034 wurde trotz der bekannten gravierenden Menschenrechtsverletzungen dort vergeben, entgegen aller Bedenken. Auch hier zeigt sich die Wandelbarkeit des DFB, der trotz der deutlichen Kritik ausnahmslos zustimmte und mittlerweile Teil von Infantinos Machtgefüge ist.
Die Weltmeisterschaft 2026 wird somit viel mehr sein als ein Fußballturnier. Sie reflektiert die Verflechtungen von Sport, Politik und Wirtschaft in einer globalisierten Welt. Der DFB steht mitten in diesem Spannungsfeld, hat aber den Kurs der politischen Neutralität gewählt – eine Schutzstrategie, die jedoch Fragen aufwirft, wie der Verband künftig mit politisch brisanten Themen umgehen wird.
Das größte Sportereignis der Welt wird auch 2026 die Bühne eines komplexen Machtspiels bleiben, bei dem sportliche Leistungen, politische Interessen und wirtschaftliche Einflussnahme untrennbar miteinander verwoben sind. Der DFB hat sich dabei entschieden, zwar sportlich präsent zu sein, politisch aber möglichst im Hintergrund zu bleiben. Ob diese Strategie den vielfältigen Herausforderungen gerecht wird, bleibt abzuwarten.
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