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Mögliche neue Fußballregel „Tageslicht“-Abseits in Kanada erstmals im Einsatz

Was ist passiert?

In der kanadischen Premier League (CPL) wurde erstmals ein Tor unter Anwendung des sogenannten „Tageslicht“-Abseitsprinzips bewertet. Alejandro Diaz vom Pacific FC erzielte ein Tor nach einem abgewehrten Ball, das bei der aktuellen Abseitsregelung nicht gezählt hätte. Nach der herkömmlichen Regel befand sich Diaz vor dem Schuss im Abseits, da er näher zur Torlinie stand als der vorletzte Abwehrspieler. Entsprechend wäre das Tor nicht anerkannt worden. Nach dem neuen Tageslicht-Prinzip hingegen zählt das Tor, da es eine Lücke zwischen dem Angreifer und dem vorletzten Verteidiger geben muss – sprich: Der Stürmer ist erst im Abseits, wenn er komplett vor dem Abwehrspieler steht, mit allen relevanten Körperteilen, die für ein Tor genutzt werden können.

Das International Football Association Board (IFAB), das die Fußballregeln verantwortet, erlaubt seit Ende Februar offiziell die Testphase dieser neuen Regel. Die FIFA leitet die Versuche in Kanada seit dem 4. April. Gleichzeitig testen Trainer in der CPL eine neue Videobeweis-Variante namens Football Video Support (FVS), bei der sie selbst durch eine „Challenge“ eine Überprüfung einer Spielsituation anfordern können. Pro Spiel stehen zwei solcher Möglichkeiten zur Verfügung, mit einer zusätzlichen Challenge in der Verlängerung.

Warum ist das wichtig?

Die Abseitsregel ist eine der wichtigsten und komplexesten Grundlagen im Fußball. Die Umstellung auf das Tageslicht-Prinzip könnte das offizielle Regelwerk tiefgreifend verändern. Die bisherigen Abseitsentscheidungen basierten oft auf minimalen Vorsprüngen, die durch Videoassistenten mit höchster Präzision festgestellt werden konnten – Kniescheiben oder Zehenspitzen sorgten für viel Frust bei Spielern, Trainern und Fans, da der sportliche Wert solcher Abseitsstellungen oft fraglich ist. Das neue Prinzip wählt eine klarere Linie, die auf einer sichtbaren Lücke zwischen Angreifer und Verteidiger basiert, und könnte so für mehr Akzeptanz und weniger strittige Entscheidungen sorgen.

Für Vereine und Spieler könnte eine solche Änderung die Taktik maßgeblich beeinflussen. Angreifer könnten kreativer agieren, ohne ständig auf minimale Abseitsstellungen achten zu müssen. Trainer müssten ihr Spiel anpassen, und Schiedsrichter hätten im Idealfall eine transparentere Grundlage, um Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig könnte sich das Spieltempo durch weniger Unterbrechungen erhöhen.

Ein weiterer bedeutender Punkt ist die Einführung des Football Video Support in Kanada. Anders als beim regulären VAR, bei dem eine Videozentrale Situation kontrolliert, liegt die Entscheidung hier direkt beim Schiedsrichter auf dem Platz, der durch die „Challenge“ der Trainer auf eine mögliche Fehlentscheidung aufmerksam gemacht wird. Diese Methode könnte insbesondere finanziell schwächeren Wettbewerben neue Wege eröffnen, Technik im Schiedsrichterwesen zu nutzen, ohne den Aufwand eines vollständigen VAR-Systems zu betreiben.

Gleichzeitig zeigt sich, wie vorsichtig FIFA und IFAB bei Regeländerungen agieren. So wird eine Einführung des Tageslicht-Abseits bei der Weltmeisterschaft 2026 ausgeschlossen, da die Umstellung zu einem zu großen Umbruch führen würde. Die WM bleibt also ein Turnier mit den gewohnten Regeln. Stattdessen sollen aus den Tests in Kanada Erkenntnisse gewonnen werden, die eine bewusste und fundierte Entscheidung für oder gegen eine Regeländerung ermöglichen.

Ausblick

Die Einführung des „Tageslicht“-Abseits steht noch am Anfang. Die Tests in Kanada sollen weitere Erkenntnisse darüber liefern, wie sich die neue Regel in der Praxis auswirkt und welchen Einfluss sie auf das Spiel hat. FIFA-Direktor Arsène Wenger zeigt sich offen und gespannt auf die Ergebnisse, die helfen sollen, die Konsequenzen besser einschätzen zu können. Sein Engagement gilt als Signal, dass die Fußballwelt an einer Modernisierung interessiert ist, die weniger kontroverse Abseitsentscheidungen und mehr Spielqualität verspricht.

Die CPL, als modernes Testfeld, wird somit künftig mit einer Doppelstrategie experimentieren: Abseitsentscheidungen nach dem Tageslicht-Prinzip und der Einsatz des Football Video Support, der es Trainern erlaubt, situationsbezogen technische Überprüfungen zu fordern. Dieser Ansatz könnte wegweisend für die Weiterentwicklung des Schiedsrichterwesens werden und möglicherweise auch in anderen Ligen weltweit Interesse wecken.

Die Fußballwelt schaut auf Kanada als Pilotregion, während sich Spieler, Trainer und Schiedsrichter erst an die neuen Vorgaben gewöhnen müssen. Sollte sich das Tageslicht-Abseits bewähren, könnte ein endgültiger Regelwechsel in einigen Jahren realistisch werden. Bis dahin bleibt es ein experimenteller Ansatz, der weiterhin genau beobachtet wird.

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